Neue EU-Richtlinie zu erneuerbaren Energien (RED II) führt bei Energieversorgern zu Engpässen bei der Beschaffung von Herkunftsnachweisen

Nach der noch in diesem Jahr in Kraft tretenden EU-Richtlinie über erneuerbare Energien sollen grundsätzlich Herkunftsnachweise europaweit zur Kennzeichnung von Strom aus erneuerbaren Energien verwendet werden. Für Rechtsunsicherheit auf Seiten der Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen und auch auf Seiten der Energieversorger in Deutschland sorgt die Möglichkeit für die Mitgliedstaaten, Anlagenbetreibern zusätzlich oder anstelle von Herkunftsnachweisen eine finanzielle Förderung zu gewähren. Dies führt aufgrund der Zeitschiene, dass die nationalen Umsetzungsgesetze in den einzelnen Mitgliedstaaten nach den Vorgaben der EU-Richtlinie in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 erlassen werden, zu Beschaffungsengpässen für die Jahre 2021 und später. Denn die betroffenen Anlagenbetreiber in den europäischen Mitgliedstaaten wissen erst bei Erlass der Umsetzungsgesetze in 2020, ob und in welchem Umfang eine Anlage Fördergelder erhalten wird, und ob sie zusätzlich oder anstelle dieser Förderung Herkunftsnachweise für 2021 vermarkten können.

Energieversorger hingegen müssen sich schon früher mit Herkunftsnachweisen für 2021 eindecken, um Ökostromprodukte für Ihre Kunden zu entwickeln, diese zu vermarkten und außerdem eine Mengen- und Preissicherheit zu haben. Energieversorger beschaffen Herkunftsnachweise daher zumeist 2 oder 3 Jahre vor dem Lieferjahr.

Eine solche Beschaffung für 2021 ist zum Jetzt-Zeitpunkt nur für solche Herkunftsnachweise möglich, die aus älteren Erneuerbare-Energien-Anlagen generiert werden, etwa Wasserkraftanlagen, die bereits vor 5 oder 10 Jahren oder noch früher in Betrieb gegangen sind. Denn die Anlagenbetreiber gehen davon aus, dass sie keinesfalls zusätzlich oder anstelle von Herkunftsnachweisen noch eine finanzielle Förderung erhalten werden. Solche Herkunftsnachweise sind etwa für Labels wie „RenewablePlus“ geeignet.

Anders verhält es sich mit qualifizierten Herkunftsnachweisen, die von Energieversorgern für Ökostrom aus erneuerbaren energien unter Labels wie „HKNNEU 100“ oder „ok-power“ verwendet werden. Diese Labels verlangen in jeweils unterschiedlicher Form, dass die Herkunftsnachweise aus Neu-Anlagen und/oder aus Anlagen stammen, die nicht noch zusätzlich finanziell gefördert werden. Anlagenbetreiber, deren Anlagen gerade erst in Betrieb genommen wurden oder sich noch im Bau befinden, also unter „Neu-Anlagen“ fallen, halten sich daher mit dem Verkauf von Herkunftsnachweisen für das Jahr 2021 zurück, bis rechtssicher feststeht, ob sie anstelle oder zusätzlich zu der Förderung Herkunftsnachweise erhalten und am Markt verkaufen können. Solche Herkunftsnachweise sind für Energieversorger bis kurz vor Beginn des Lieferjahres 2021 nicht über Importeure erhältlich, so dass sie ihren Kunden für 2021 keine Ökostrom-Lieferung unter diesen Labels anbieten können.

Aus dieser Beschaffungslücke bezüglich Herkunftsnachweise für das Jahr 2021 ergibt sich für Energieversorger die Konsequenz, dass sie ihre laufenden Ökostrom-Lieferverträge mit Endkunden, die z. B. eine Verlängerungsoption enthalten, rechtzeitig hinsichtlich ihrer Kündigungsrechte überprüfen sollten. Denn sie müssten in 2019 bzw. 2020 bestehende 1- oder 2-Jahres-Lieferverträge mit Verlängerungsoption kündigen, weil sie die Weiterbelieferung mit Ökostrom für das Jahr 2021 unter qualifizierten Labels wie „HKNNEU 100“ oder „ok-power“ nicht sicherstellen können. Außerdem sollten sie ab 2019 bzw. 2020 keine neuen 1- oder 2-Jahres-Lieferverträge über Ökostrom aus erneuerbaren Energien unter solchen qualifizierten Labels abschließen, bevor nicht die Beschaffungssituation in den betreffenden Mitgliedstaaten, aus denen die Herkunftsnachweise stammen, eindeutig geklärt ist.

Weiteres unter: www.bd-energy.com/oekostrom/interviews und www.bd-energy.com. Die Bischoff & Ditze Energy GmbH & Co. KG, der führende Importeur von Herkunftsnachweisen in Deutschland, hat am 13. und 14.09.2018 in Hamburg eine Fachtagung u. a. zu dem Thema abgehalten, welche Auswirkungen die RED II-Richtlinie auf die Beschaffungssituation der Energieversorger in Deutschland hinsichtlich Herkunftsnachweisen hat.

Leipzig, den 20.09.2018